Obstanbau am Mittelrhein und auf der Grafschaft







Gemarkung Kettig (Raum Koblenz)Kernobstversuchsanlage Klein-Altendorf

Obstartha
Apfel389
Birne41
Sauerkirsche46
Süsskirsche276
Zwetsche/Mirabelle/
sonst. Baumobst
251
Holunderca. 100
Strauchbeereca. 25
Erdbeereca. 250
Stand: Baumobstzählung 2017



Jahresdurchschnittstemperatur9,6 - 10,9 °C

Jahresniederschläge633 mm (Grafschaft), 653 mm (Raum Koblenz)

Höhenlage üNN70 - 250 m

Bodenartenleicht lehmiger Sand - sandiger Lehm
(Raum Koblenz)

sandiger Lehm - toniger Lehm (Grafschaft)


VermarktungGenossenschaft „Landgard“, privater Großhandel „Frutania“ und „Krings“, Direktvermarktung

Landkreise mit Obstbau:

Mayen-Koblenz, Stadt Koblenz, Neuwied, Rhein-Lahn-Kreis, Ahrweiler

Geologie:
Das Koblenz-Neuwieder Becken ist geprägt durch den Ausbruch des Laacher Vulkankraters vor ca. 13.000 Jahren. Aus der Eruptionswolke lagerten sich Bimsschichten auf der umgebenden Landschaft ab. Sowohl Bims als auch Lava werden heute in zahlreichen kleineren und mittleren Unternehmen zu Baustoffen abgebaut und aufbereitet. Der Bimsanteil macht den Boden leicht und gut erwärmbar.
Charakteristisch für das Gebiet der Gemeinde Grafschaft sind schwere Lößlehmböden und mit Tonvorkommen im Untergrund. Der Humusgehalt liegt oft nur bei 1 %, nutzbare Grundwasservorkommen sind nur sporadisch und erst ab einer Tiefe von 80 m zu erwarten. Die für Landwirtschaft und Obstbau an sich gut nutzbaren Böden neigen zu Verdichtungen im Unterboden (40 - 60 cm). Mit Hilfe der Bodenmelioration (Tiefenlockerung) müssen diese aufgebrochen werden. Anschließend ist darauf zu achten, die Krümelstruktur durch geeignete Kulturmaßnahmen zu stabilisieren.


Obstbau früher und heute

Die Tradition des Koblenzer Erwerbsobstbaues beginnt in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die durch Realteilung immer kleiner werdenden landwirtschaftlichen Betriebe ihr Einkommen durch Intensivierung sichern mussten. Größere Flurbereinigungen im Kerngebiet des Obstbaues fanden bis heute nicht statt. Gründe: Nähe zur Großstadt Koblenz und Bimsabbau.
Die heutigen Koblenzer Stadtgemeinden Güls, Metternich und Rübenach repräsentierten vor dem 2. Weltkrieg eines der größten deutschen Süßkirschengebiete mit Exporten bis nach England. Heute hat sich der Schwerpunkt des Anbaues etwas nach Norden in die Gemarkungen von Mülheim-Kärlich und zunehmend auch Kettig verlagert. Das Weinbauklima, das leicht hügelige Lanschaftsrelief und die durch einen Bimsanteil bis zu 30 % recht leichten Böden sind für den Steinobstanbau ideal. Nach dem Hoch der Sauerkirsche in den 70er und 80er Jahren findet heute eine starke Verschiebung hin zu Zwetschen und Süßkirschen statt. Aus den meisten Gemischtbetrieben sind Obstbauspezial­betriebe geworden. Bezüglich der angepflanzten Obstarten ist das Gebiet äußerst vielseitig. Spezialitäten sind neben Süßkirschen und Zwetschen ein auf ca. 100 ha stattfindender Holunderanbau sowie der Weinbergpfirsich. Zur obstbaulichen Infrastruktur sind ebenfalls 2 bedeutende Obstbaumschulen und Kleinbrennereien zu zählen. Die Anlieferung an den Großmarkt „Landgard“ bei Bonn erfolgt über die Sammelstelle in Mülheim-Kärlich.

Rund 40 km weiter nördlich an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen steht der Obstbau im Kreis Ahrweiler in der Verbandsgemeinde Grafschaft. Durch größere Parzellierung und schwerere Böden spielt hier der Ackerbau noch eine größere Rolle als im Raum Koblenz. In den 50er und 60er Jahren entwickelte sich ein moderner Apfelanbau, gefördert durch die Nähe zum damaligen Großmarkt Bonn, später Roisdorf und Einflüsse aus dem Meckenheimer Obst- und Baumschulgebiet. Der Apfelanbau wurde bis Mitte der 90er Jahre kontinuierlich ausgebaut. Heute ist neben Äpfeln der Beerenobstanbau das wichtigste obstbauliche Standbein. Derzeit findet eine starke Intensivierung hin zum Anbau unter Kulturschutz statt (Folienüberdachungen, Tunnel und Hagelnetze). Gründe dafür sind zu finden in der Nachfrage der Vermarkter vor Ort und in der zunehmenden Ansiedlung von Gewerbe (z.B. Haribo) und einhergehender Landknappheit.


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