Versuchsstandort Pfalz

DLR Rheinpfalz - 100 Jahre Obstbauversuche zum Wohle der Praxis


Bereits zur Zeit der Gründung der heutigen SLFA Neustadt hatte das pfälzische Anbaugebiet eine beachtliche Bedeutung als Frühanbaugebiet von Bayern. Doch Anbauformen, Obstsorten und Vermarktung entsprachen auch schon damals nicht mehr den Anforderungen des Marktes. Versuche aus neutraler Sicht zur Klärung all dieser Probleme und Fragen waren daher dringend erforderlich.

“Versuche auf dem Gebiete des Obstbaues verlangen sehr viel Geduld und manches Opfer. Man darf aber von einem Versuchsfeld niemals eine Rentabilitätsberechnung stellen. Jeder missglückte Versuch bewahrt die Erzeuger vor gleichen Schäden. Es ist daher für die Allgemeinheit ein Gewinn!”

Zitat von 1924 im “Wegweiser im Obst- und Gartenbau” in der Jubiläumsschrift “25 Jahre Bezirks-Obstbau-Verband Bad Dürkheim”.


1900

Die für die Versuche notwendigen Felder entstanden mit dem Ankauf des Versuchsfeldes “Böbig” in Neustadt im Jahre 1902 und der Aufpflanzung von 60 Apfel- und 50 Birnensorten sowie den wichtigsten Zwetschensorten.

Die Anforderungen der Praxis an die Versuchsansteller waren in den Folgejahren nach der Gründung der Lehranstalt sehr vielschichtig. In den Anfängen stand so das große Problem der Bekämpfung von Pilzkrankheiten (Dr. Zschokke) sowie der tierischen Schädlinge (Dr. Schwangert) im Vordergrund. Obstweinbereitung und Fragen der Düngung (Dr. Schätzlein) wurden ebenso versuchsmässig bearbeitet.


1926

Im Jahre 1926 entstand das Versuchsfeld “Harthäuser” mit 42 verschiedenen Pfirsichsorten auf 5 verschiedenen Unterlagen. Wie dem Umfang des Versuches zu ersehen ist, wurde dem Pfirsichanbau für die Region damals große Bedeutung beigemessen. Mehrere in dieser Zeit angestellte Versuche mit Aprikosen aus verschiedenen Herkünften versagten dagegen, ebenfalls die Prüfungen auf geeignete Unterlagen für Aprikosen.


1930

Durch Ankauf einer weiteren Fläche und Aufpflanzung eines umfangreichen Kirschensortimentes mit 74 Sorten entstand 1930 das Versuchsfeld “Böhl”. Auch die Prüfung besser tragender und schwächer wachsender Unterlagen war schon Inhalt der Versuche.


1933

Unter dem seit 1933 zuständigen Leiter der Gartenbauabteilung, Albert Rupp, wurden zu den beiden Obstarten Aprikose und Pfirsich in den Folgejahren verstärkt und fortgesetzt weitere Prüfungen durchgeführt.

Unter Mitarbeit und Führung der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau wurden außerdem in diesen Jahren zusammen mit den Berufsorganisationen, Gemeinden und den Fachberatern der Pfalz zusätzliche Versuchspflanzungen durchgeführt, so in Ellerstadt zu Pfirsichen, in Weisenheim/Sand zu Pfirsichen, Aprikosen und Erdbeeren, in Freinsheim zu Strauchbeerenobst, in Bobenheim/Berg zu Süsskirschen mit 55 Sorten, in Wachenheim zu Himbeeren, in Dirmstein zu Apfel und Birne als Düngungsversuch, in Lingenfeld zu Süsskirschen als Dünungsversuch, in Speyer mit 5 verschiedenen Versuchen, in Heiligenstein zu Pfirsichen, in Fußgönnheim zu Pfirsichen und in der Südpfalz mit dem Pfirsichversuchsring.

Die in diesen Jahren mit den verschiedenen Berufsverbänden erstellte “Obstsortenliste" für die Pfalz (1932) hatte sicher bis nach Kriegsende Gültigkeit.


1945

Sortenbereinigung nach 1945 war dabei eine der wichtigsten Aufgaben für den Berufsstand und auch für den Versuchsbetrieb der Lehranstalt. Daneben waren gerade auch Versuche zur Ertragssteigerung durch Düngung und zur Qualitätssicherung durch gezielten Pflanzenschutz von vorrangiger Bedeutung.


1958

Ein Meilenstein in der Bekämpfung des Apfelwicklers war für die gesamte Obstbaupraxis die in Neustadt unter Leitung von Dr. Ehrenhardt entwickelte “Kontrolle des Apfelwicklerfluges durch Lichtfallen”. Während sonst nur der Schlupf des Falters beobachtet werden konnte, erhielt man nun Hinweise über die Flughöhepunkte. Die in monatelanger Arbeit entwickelten, mit Autobatterien betriebenen Fangtrichter wurden in vielen nächtlichen Einsätzen auf den Versuchsflächen geprüft. So konnte aufgrund der gefangenen Falter der Flughöhepunkt und somit der exakte Zeitpunkt einer gezielten Bekämpfung festgelegt werden.

Nach 1960 wurden dann Zug um Zug die seit Bestehen der Lehranstalt bewirtschafteten Flächen aufgegeben und an konzentrierterer Stelle auf 10 ha in Lachen neu aufgepflanzt.


1960/1965

Die Jahre danach brachten eine erneute Bereinigung des Sortimentes. Das seit einiger Zeit bestehende neue Pfalzsortiment beschränkte den Anbau und die Vermarktung auf nur wenige Sorten, so z. B. bei Apfel nur Lodi, James Grieve, Oldenburg und Golden Delicious. Unter dem Leiter der Abteilung Gartenbau, Dr. K. G. Schwarz und dem Leiter des Versuchsbetriebes, W. Funke, erfolgten umfangreiche Sortenversuche im Versuchsbetrieb Lachen zur Ermittlung besserer und marktfähigerer Sorten. Moderne Erziehungsformen und schwächerwachsende Unterlagen wurden insbesondere zu Apfel, Birne und Zwetsche getestet (Pillar als Einzel- und Mehrfachreihe, verschiedene Unterstützungsmaßnahmen, Hecke zu Zwetsche).


1970

Ein über 18 Jahre auf dem Versuchsbetrieb gelaufener Bodenpflegeversuch gab in den 70er Jahren richtungsweisende Ergebnisse für den gesamten pfälzischen Obstbau. Während zuvor der gesamte Obstbau mit offen gehaltenem und mehrfach bearbeiteten Boden bewirtschaftet wurde, konnten jetzt – und zwar lange vor Einführung im Weinbau – die Fahrgassen durch Graseinsaat mit langsamwüchsigen Gräsern begrünt werden.

Im Jahre 1970 erfolgte in Rheinland-Pfalz die Umorganisation der Obstbauberatung. Für die überregionale Obstbauberatung in den Landkreisen Dürkheim, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Donnersbergkreis und Kusel wurde Norbert Bößer an die LLFA Neustadt versetzt. Der Obstbauberater für die Südpfalz, Joachim Zech, wurde zu einem späteren Zeitpunkt auch an die Neustadter Dienststelle versetzt.


1975

Eine Neuerung für den Obstbau im Trockengebiet der Pfalz konnte der Versuchsbetrieb der Lehranstalt in Lachen vorstellen. Die Tropfbewässerung aus dem Faß ohne zusätzlichen Druck war lange Zeit ein wichtiger Bestandteil zur Qualitätssicherung bei Obst im Gebiet.

Gleichzeitig wurden in den 70er Jahren bei den umfangreichen Sortenversuchen auf dem Versuchsfeld der LLFA insbesondere zu Apfel die Sorten für Direktvermarktung und Grossmarkt als anbauwürdig gefunden, die zum Teil heute noch den Markt beherrschen (Idared, Melrose, Jonagold und Royal Gala).

Ende der 80er Jahre wurden durch die Sortenvergleiche auf dem Versuchsgelände das Apfelsortiment mit den Sorten Rubinette, Braeburn und Fuji zum heutigen “Sortiment 2000” erweitert.

Die seit 1968 an der LLFA im Obstbau durchgeführten Aufzeichnungen zur Ermittlung von arbeitswirtschftlichen und betriebswirtschaftlichen Daten (Dr. K. G. Schwarz und H. Rimmele) waren stets die Grundlage jeder Anbauberatung.


1981

Ein Meilenstein in der Geschichte der Lehranstalt Neustadt war der Verkauf der alten Gebäude in Neustadt und der Neubau in Mußbach. Damit verbunden war auch eine Verlagerung der obstbaulichen Versuchsflächen von Lachen nach Mußbach. Die heutigen Versuchsflächen im Nahbereich der SLFA Neustadt haben eine Größe von 10 ha.


1984

Neuer Leiter des Versuchsbetriebes Obstbau wird Michael Günther, Pflanzenschutzberater für den Integrierten Obstbau wird Uwe Harzer.


1986

Leiter des Sachgebietes Obstbau wird Werner Ollig.

Neben den üblichen Versuchen zu Unterlagen, Sorten und Erziehung wird in den Folgejahren der integrierte Anbau mit integriertem Pflanzenschutz wichtiger Bestandteil. Präzise Bewarnung der Erzeuger und gezielte, umweltschonende Pflanzenschutzmassnahmen werden so möglich.



1990

Um den neuen Anforderungen der Praxis gerecht zu werden, dokumentiert der Versuchsbetrieb in den Folgejahren mit intensiven Versuchen die Überbauung von Süsskirschen mit Netzen gegen Vogelfraß, Überbauung von Apfelanlagen gegen Hagel oder Folienüberdachung gegen Nässe bei Beerenobst und Steinobst. Führende Obstbaubetriebe der Pfalz haben sich inzwischen diese Vorarbeit des Versuchsbetriebes der SLFA Neustadt zu Nutze gemacht.

Mitte der 90er Jahre erfolgte eine Neuordnung im Versuchswesen in Rheinland: als neue Schwerpunkte in Neustadt wird das Beerenobst sowie das Brennereiwesen in die Versuchsarbeit aufgenommen sowie die Kulturen Pfirsiche, Aprikosen, und Nektarinen.

Die nach der Gründung der Versuchsflächen nach 1900 erkennbare hohe Bedeutung des Pfirsichanbaues war in den gesamten Pfalz und demnach auch im Versuchsbetrieb nach Kriegsende stark rückläufig. Heute verfügt der Obstbauversuchsbetrieb der SLFA Neustadt über das grösste Sortiment an Pfirsichen, Nektarinen und Aprikosen in Deutschland.


1998

Installation einer Versuchsbrennerei


2000

Pflanzenschutzversuche werden immer wichtiger in Zeiten einer zunehmend schmäler werdenden Mittelpalette. Mit Hilfe eines speziellen Parzellensprühgerätes werden Exaktversuche in allen Kulturen durchgeführt mit dem Ziel, Rückstandswerte zu erarbeiten. Im Rahmen des Arbeitskreises Lückenindikation und zukünftig über das vereinfachte Antragsverfahren nach § 18 dienen die Versuche als Grundlage für den Einsatz von PSM gerade in den “kleineren” Kulturen wie Beerenobst.


2001

Installation einer neuen Betriebsbrennerei

Das Sachgebiet Obstbau mit dem Versuchsbetrieb ist in all den Jahren gewachsen zu einem effizienten und stark frequentierten Anlaufpunkt für alle Obsterzeuger der Pfalz und darüber hinaus. Gerade in der heutigen Zeit mit höchsten Anforderungen an Produkt, Erzeuger und Vermarkter ist eine Fachstelle wie das Sachgebiet Obstbau mit eigenem Versuchswesen in seiner Bedeutung für die Praxis von großer Bedeutung.





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