Versuchsstandort Klein-Altendorf (11/2007)

Allgemein

Der Versuchsstandort Klein-Altendorf ist als Lehr- und Versuchsstation für Obstbau in den 1950er Jahren von der Universität Bonn begründet worden. Er befindet sich an der südlichen Grenze von Nordrhein-Westfalen zentral im Obstanbaugebiet Rheinland, was Ländergrenzen übergreifend Teile des Kreises Ahrweiler (Grafschaft) und linksrheinische Gebiete des Rhein-Sieg- Kreises (Meckenheim, Rheinbach, Wachtberg) umfasst. Die Region ist geprägt durch überwiegenden Kernobstanbau. Durch die Nähe zu großen Verbraucherzentren Region Köln-Bonn, Düsseldorf und Ruhrgebiet hat in der Region auch die Produktion von Beerenobst eine große Bedeutung.

Die Lehr- und Forschungsstation Obstbauversuchsanlage Klein-Altendorf umfasst 25 ha arrondierte Fläche. Möglichkeiten zur Überkronenberegnung und teilweise zur Tropfbewässerung (Fertigation) sind gegeben.
Seit 2003 werden vom Kompetenzzentrum Gartenbau Flächen übernommen, neu bepflanzt und für Versuche genutzt. Zwischenzeitlich wird von beiden Parteien jeweils 50 % der Fläche bewirtschaftet.

Die Lehr- und Forschungsstation hält auf den von der Universität Bonn genutzten Flächen ein Marktsortiment Apfel, Birne und Zwetschgen vor, die für Versuche und Untersuchungen genutzt werden; andere Sortimente wie Kirschen, Quitten und Walnüsse sind zu Ausbildungszwecken vorhanden.
Schwerpunkte auf den Flächen des Kompetenzzentrums Gartenbau liegen überwiegend im Bereich Kernobst, geschütztem Anbau von Kirschen, ausgewähltem Wildobst bzw. Heil- und Gewürzpflanzen. Alternativkulturen wie Weihnachtsbäume und Schnittrosen wurden für spezielle Versuchsfragen in kleineren Mengen aufgepflanzt.


Geschichtliches

Die Region hat eine lange obstbauliche Tradition. Bereits um 1900 entstanden hier Obstbaubetriebe und Baumschulen von nahezu internationaler Bedeutung. Namen wie „Schmitz-Hübsch“, „Herr“ oder „Ley“ finden sich immer noch bei mancher auch heute noch geläufigen Apfelsorte als Mutanten- oder Selektionsbezeichnung.

Die Lehr- und Forschungsstation Klein-Altendorf wurde als Obstbau Versuchsgut des Instituts für Obst- und Gemüsebau der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn in den 1950er Jahren neu errichtet und in Teilen den aktuellen Erfordernissen angepasst.
Seit 2002 beteiligt sich das Land Rheinland-Pfalz, begründet durch einen Staatsvertrag, an der Nutzung des Standortes. Seitdem verlagert das Kompetenzzentrum Gartenbau seine Obstbauversuche aus Ahrweiler an diesen Standort. Ziel ist die Nutzung von Synergieeffekten zwischen den Partnern und ein vertikaler Wissenstranfer zwischen Wissenschaft und Praxis.


Lage

Der Versuchsstandort befindet sich zwischen Meckenheim und Rheinbach und gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Rheinbach. Die Postanschrift lautet:
Campus Klein-Altendorf 2, D-53359 Rheinbach.
Anfahrtsskizze mit Koordinaten für Klein-Altendorf: 50°37’31.00’’N, 6°59’20.54’’E

Koordinaten Ahrweiler: 50°32’05.32’’N, 7°05’01.82’’E

Die Flächen liegen geographisch auf Länge 6° 59’ 29’’ und Breite 50° 37’ 21’’, die Höhe beträgt 150 m NN

Geographische Daten
StandortKlein-Altendorf
Länge6°59’29’’
Breite50°37’21’’
Höhe150 m NN
Neigung0,5 – 1° (eben)

Die gesamte Fläche ist arrondiert und umzäunt, sie ist nahezu eben mit einer minimalen Neigung nach Süden von 0,5-1°.


Boden

Der Standort ist gekennzeichnet durch eine mehrere Meter mächtige Lößschicht über Kies. Der Grundwasserspiegel liegt bei 20 m, Staunässeflächen sind nicht vorhanden. Der Bodentyp wird als eine leicht erodierte Parabraunerde definiert und in der Art als lehmiger Schluff bis toniger Lehm angesprochen. Die Fläche ist mit der Ackerzahl 93 bewertet und gilt als ackerbaulich sehr guter Standort.

StandortKlein-Altendorf
BodentypParabraunerde
Bodenartlehmiger Schluff bis
toniger Lehm
Ackerzahl93



Klima

Das Klima in der Region ist durchaus noch maritim beeinflusst. Durch die Hügelketten der Eifel im Westen geschützt ist der Standort zwar niederschlagsarm aber nicht trocken. Ausgeglichene Temperaturen, genügend Niederschläge, kombiniert mit nachhaltigen Böden zeichnen diese Region als nachhaltigen und für Obstbau gut geeigneten Standort aus.

Langjährige Mittel:
Ein Kriterium zur klimatischen Beurteilung eines Standortes sind die langjährigen Witterungsdaten, insbesondere die durchschnittliche Tagestemperatur, der Jahresniederschlag und die Jahressonnenstunden. Obstbaulich interessant können zusätzlich die Witterungsdaten in der Vegetationszeit von Mai bis Oktober sein.
Die langjährigen Mittel direkt von diesem Standort liegen für die Jahre von 1956 bis 2000 vor. So liegen die Werte der mittleren Tagestemperatur bei 9,3° C, der jährliche Niederschlag bei 594 mm und die Sonnenscheinstunden bei 1534 h.

Langjähriges Mittel (1956 - 2000) am Standort Klein-Altendorf
Gesamtes JahrMai-Oktober
Tagestemperatur (Mittel)9,3° C14,3° C
Niederschlag (Summe)594 mm350 mm
Sonnenstunden (Summe) 1534 h972 h

Die Werte der einzelnen Jahre variieren naturgemäß, so dass ein Vergleich zwischen einzelnen Jahren und dem langjährigen Mittel oftmals interessant ist. Hier dargestellt ist das Jahr 2005, was mit 637 mm Niederschlag feuchter und mit 10,2° C wärmer als die vergangenen Jahre war. Tagesaktuelle Wetterdaten für den Standort können bei der Agrarmeteorologie Link www.am.rlp.de abgerufen werden.








Arbeitsschwerpunkte

Der Standort Klein-Altendorf ist als der Versuchsstandort Kernobst für Rheinland-Pfalz benannt.
Hier werden spezielle Fragen zu Sortenwahl, Unterlagen, Anbausysteme, Erziehung und Schnitt, Ausdünnung, und Pflanzenschutz bearbeitet.
Weitere Aufgabenbereiche sind Versuche zum geschützten Anbau von Süßkirschen, zu diversen Wildobstarten und zu Heil- und Gewürzpflanzen.

So werden beispielsweise in mehreren Prüfungsintensitäten neue Apfel- und Birnensorten aufgepflanzt und in Ihrer Entwicklung, Ihren Anfälligkeiten und Eigenschaften beurteilt. Dadurch können die neuen Sorten vergleichbar vorgestellt werden und sich die Berater und Obsterzeuger ein objektives Bild über aktuelle Sorten machen. Die vor Ort gemachten Erfahrungen und Ergebnisse gehen dann in die Empfehlungsliste für Kernobst Rheinland-Pfalz ein.

Andere Versuche werden durchgeführt, um die jeweils beste Methode, Anwendung oder Kulturführung herauszufinden bzw. möglichst ökonomisch zu arbeiten. So kann an dem Standort relativ kurzfristig eine Lösung für akut auftretende Probleme gesucht werden.
Das Bestreben für die an dem Standort durchgeführten Versuche ist immer, eine praktikable Lösung oder aber eine Best-Lösung für den Obsterzeuger zu finden.


Ergebnisse

Ausgewählte Ergebnisse finden sich in der Versuchsdatenbank oder in www.hortigate.de





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